BRACHIALGIA PARAESTHETICA
Brachialgia paraesthetica nocturna, Parkbanksyndrom

Was ist Brachialgia paraesthetica? 

Die Brachialgia paraesthetica ist ein Krankheitsbild im Bereich des Armes und der Hand, welches vor allem nachts und am frühen Morgen auftritt, deswegen auch der Name Brachialgia paraesthetica nocturna (= lat. nächtlich).

Wie äußert sich die Brachialgia paraesthetica? 

Am Anfang bemerken die Patienten meist schmerzhafte Missempfindungen der Finger, die vor allem nachts auftreten. Betroffen sind vor allem der Mittelfinger, später auch die Beugeseite der Finger 1 bis 3. Durch Schütteln oder Massieren der Hän de lassen sich die Beschwerden lindern. Morgens fühlen sich die Finger steif an, sind manchmal geschwollen, die Feinmotorik ist gestört, bessert sich aber meist im Laufe des Tages wieder. Später können Schmerzen und Paraesthesien (= Missempfindungen) können bis in die Schul ter ausstrahlen. Besteht die Erkrankung viele Jahre, so kann es auch zu einem Schwund der Daumenballenmuskeln kommen, der oft mit dem bloßen Auge sichtbar ist.

Was verursacht eine Brachialgia paraesthetica?

Ausgelöst wird sie in den allermeisten Fällen durch ein sogenanntes Karpaltunnel-Syndrom. Hierbei wird ein Nerv (Nervus medianus) in einem Tunnel (daher der Name) unter einem Band (das sog. Retinaculum flexorum) am Ende des Unterarms komprimiert (= eingeengt). Nicht selten entsteht die Brachialgia paraesthetica aber auch durch eine Fehllagerung, z.B. wenn Wohnsitzlose auf der Parkbank übernachten (deshalb auch der Ausdruck "Parkbanksyndrom"). Auch Arbeiten oder Tätigkeiten, die das Handgelenk besonders belasten, können zu einer Brachialgia paraesthetica führen (z.B. Presslufthammerarbeiten, Putzarbeiten, Nähen oder auch Motorradfahren), ebenso Verletzungen (Handgelenksfrakturen) oder En tzündungen im Bereich des Unterarms. Andere Erkrankungen können eine Brachialgia paraesthetica begünstigen, so z.B. Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas (= Fettsucht), Gicht, Zuckerkrankheit, Schilddrüsenunterfunktion, Akromegalie (= isolierte Größenzunahme von Körperteilen, wie z.B. Finger, Zehen) oder die rheumatoide Arthritis (= rheumaartige Gelenken tzündung).

Wer ist von einer Brachialgia paraesthetica betroffen? 

Meist tritt dieses Schmerzsynd rom im mittleren bis höheren Lebensalter auf, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind, Frauen in den Wechseljahren gehäuft. Auch in der Schwangerschaft beobachtet man ein gehäuftes Auftreten der Brachialgia paraesthetica, meist bildet sich diese aber nach der Geburt wieder spontan (= ohne Behandlung) zurück.

Diagnose der Brachialgia paraesthetica: 

Die genaue Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) steht am Anfang der Diagnostik. Eine neurologische Untersuchung gibt weiteren Aufschluß und muss eine Abgrenzung gegen ähnliche Symptome,  wie z. B. solche, die durch Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule ausgehen, beinhalten.

Klassische Zeichen sind das Tinel Zeichen (Klopfen über das Retinaculum flexorum erzeugt elektrisierende Schmerzen in den betroffenen Fingern) sowie das Flaschenzeichen (der Patient kann durch die Lähmung der Daumenmuskulatur eine Flasche nicht mehr richtig umgreifen).

Endgültig beweisen läßt sich der Verdacht auf das Vorliegen einer Brachialgia paraesthetica nocturna bzw. eines Karpal tunnelsyndroms durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus medianus. Beim Vorliegen der Erkrankung ist sie deutlich verlängert. Bildgebende Diagnostik, vor allem eine Kernspintomographie (MRT) oder auch ein CT können die Diagnostik ergänzen.

Therapie bei Brachialgia paraesthetica:

Liegt ein Karpaltunnel-Syndrom zugrunde, wird, solange noch keine neurologischen Ausfälle vorliegen, mit einer konservativen Therapie begonnen: Ruhigstellung des Handgelenks mit einer Unterarmschiene, meist über einige Wochen.
Dann als nächster Schritt Injektion eines Lokalanästhetikums (= örtliches Betäubungsmittel), auch Prednisolon, wenn die alleinige Ruhigstellung keine Linderung bringt. Ansonsten eine kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter (siehe unten).

Wenn auch damit keine anhaltende Linderung zu erreichen ist, kann operiert werden. Dabei wird das Band (Retinaculum flexorum) gespalten (durchtrennt) und so der Nerv entlastet.

Auch bei anderen Schmerzursachen sahen wir im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) ansonsten gute Ergebnisse mit der längerfristigen (2-3 Wochen) kontinuierlichen Blockade des Plexus brachialis.
Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) nahe der Achselhöhle in die Ner venscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. Während dem Einspritzen und noch kurze Zeit danach wird der Oberar m mit einer Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der Ner venscheide nach oben getrieben wird und so auch im Schulterbereich und bei entsprechender Betäubungsmittelmenge sogar an der Halswir belsäule schmerzlindernd wirken kann. 
Zur Schmerzbehandlung kann auch die kontinuierliche, interskalenäre (= zwischen Mus keln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des  Pl exus brachialis durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. 
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die entzündlichen oder degenerativen
(= abnutzungsbedingten) Prozessen nachhaltig entgegenwirkt.

 

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